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Aus aller Welt
[27.07.2009]
»Es ist nicht so, dass ich nur mathematisch denke.«

Eine Million Euro für ein Mathe-Genie aus Köln

Kathrin Bringmann hat zwar zwei linke Hände - aber ein ziemlich helles Köpfchen.
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Von Denise Donnebaum

In der Schule wollten alle von ihr abschreiben. Kathrin Bringmann war damals schon so gut in Mathe, dass sie sich im Unterricht manchmal gelangweilt hat. Mit nur 32 Jahren ist sie heute eine preisgekrönte Mathematikprofessorin in Köln. »In Mathe ist es wichtig, das richtige Problem zu haben.«

Dafür, dass sie das richtige mathematische Problem gelöst hat, überreicht ihr die Krupp-Stiftung im November einen mit einer Million Euro dotierten Forschungspreis.

   Vieles an ihr lässt die typische Mathematikerin erkennen: Bringmann analysiert ständig ihr Umfeld, rechnet auch mal im Alltag Wahrscheinlichkeiten aus. Lotto spielt sie nicht, »zu unwahrscheinlich«, sagt die Professorin mit dem Hang zum Rätsellösen. »Es ist der Wunsch verstehen zu wollen - es ist nie alles gelöst, es gibt immer neue Fragestellungen.«

Ein Chemiker als Vater, eine Mathematikerin als Mutter und ein Biologe als Bruder: Damit war für Kathrin Bringmann der Weg in die Welt der Wissenschaft geebnet. Mindestens ein überraschendes Detail aber birgt ihr Werdegang. Noch bevor sie in Heidelberg zum Doktor der Mathematik promovierte und anschließend drei Jahre in den USA lehrte, hat Bringmann in Würzburg katholische Theologie studiert. »Es ist nicht so, dass ich nur mathematisch denke.« Das Studium aber passte nicht so recht zur Pragmatikerin. »Ich kann nicht etwas lernen, dass ich nicht lernen will. Dann blockt mein Gehirn«, sagt sie über sich.

   Wenn sie unterwegs ist, hat Bringmann stets eine braune Pappmappe mit ihren aktuellsten Notizen bei sich. Es sind Blätter voller Zahlen. Bringmann schöpft aus dem Austausch mit Anderen: »Viel mit Leuten reden, so finde ich oft das nächste Problem, mit dem ich mich dann befasse.« Eine unnahbare Wissenschaftlerin ist sie nicht. »Ich brauche Natur und Menschen um mich herum.« An dem Klischee des vergesslichen, in seine Arbeit versunkenen Mathematikers ist aber etwas dran - das bestätigt die junge Professorin. Formeln merkt sie sich mühelos, im Alltag ist sie dafür vergesslich.

Praktisches liegt Bringmann nicht so sehr. Sie habe zwei linke Hände, sagt die Professorin über sich: »Einen Nagel in die Wand schlagen, das geht gerade noch - mit Computern bin ich eine Niete.« Am liebsten sitzt sie mit einem Block an ihrem Uni-Schreibtisch. Im Regal nebendran stapeln sich die beschriebenen Spiralblöcke auf bald einem Meter. Aber auch eine Mathematikerin braucht mal eine Auszeit: »Ich kann nicht immer alles logisch hinterfragen.« Bringmann liest gerne und joggt täglich. Fachgespräche mit ihrem Verlobten, ebenfalls ein Mathematiker, führt sie lieber nicht.

Bringmanns Gebiet heißt Zahlentheorie und gehört in den Bereich der reinen Mathematik: Sie ist damit die einzige Frau, die an der Kölner Uni in diesem Bereich lehrt. Für den Laien ist es ein kniffliges Feld, in dem es von Fachbegriffen nur so wimmelt.

Erst ringt sie um einfache Worte, um ihre Arbeit zu beschreiben, dann findet sie doch welche: Den Krupp-Preis bekomme sie, weil sie ein mathematisches Rätsel gelöst hat. Sie hat die von dem indischen Mathematiker Srinivasa Aiyangar Ramanujan vor über 80 Jahren entdeckten »Mock-Thetafunktionen« entschlüsselt, indem sie sie in eine Theorie einbettete.

Ramanujan fasziniert sie über die Mathematik hinaus: Er sei ein Autodidakt im Schneidersitz gewesen, der geniale Formeln auf Papier brachte. Wie er darauf kam, weiß man nicht. Warum die Formeln funktionieren, erforschen Wissenschaftler noch heute.

Mit den »Mock-Thetafunktionen« können Wissenschaftler Phänomene, die auch außerhalb der Mathematik liegen, besser verstehen: Die Biologen etwa das Wachstum von Zellen, die Physiker schwarze Löcher. »Die Studenten haben mir diesen Strauß gebracht«, sagt Bringmann und zeigt strahlend zum Tisch mit den bunten Blumen.

(dpa)




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