Diese Themenkataloge sind nur für die Zentralklausuren maßgeblich.
Für die Individualklausuren und die mündlichen
Prüfungen liegt die Verantwortung
in der Hand des jeweiligen Prüfers. Daher ist eine Absprache des
Prüflings mit dem
Prüfer über den inhaltlichen Rahmen der Prüfung in jedem Fall
erforderlich. (Die folgenden
Kataloge können dabei als Gesprächsgrundlage dienen.)
Für die Zentralklausur wählt der Prüfling bei der Anmeldung zur Prüfung ein
Gebiet aus dem Katalog "Algebra, Reelle Analysis, Funktionentheorie"; dieses
Gebiet wird in der mündlichen Prüfung nicht mehr geprüft.
Die Prüfer des Mathematischen Instituts haben für die
Zentralklausuren verabredet:
1. Aufgaben zu vermeiden, die die Kenntnis spezieller Tricks voraussetzen. Die Klausuraufgaben sollen aufgrund eines grundlegenden Verständnisses und der Kenntnis der einschlägigen Methoden eines Gebietes und aufgrund einer allgemeinen mathematischen Arbeitsfähigkeit lösbar sein.
2. Aufgaben zu vermeiden, in denen die Lösung eines Teiles die notwendige Voraussetzung für die Bearbeitung der folgenden Aufgabenteile ist.
3. die Anzahl der Aufgaben in einer Klausur nicht zu knapp zu halten, so dass die gute Bearbeitung einer gewissen Auswahl schon als eine gute Leistung bewertet werden kann. Bei der Bewertung der Klausuren ist die Anzahl der sorgfältig bearbeiteten Aufgaben entscheidend.
Zahlen
Zahlbereichserweiterungen:
.
Algebraische und Transzendente Zahlen. Transzendenz von
und
.
Gruppentheorie
Grundbegriffe: Gruppe, Untergruppe, Gruppenhomomorphismus.
Nebenklassen, Index, Ordnung. Normalteiler, Faktorgruppen.
Homomorphie- und
Isomorphiesätze. Direkte Produkte von Gruppen. Ordnung eines Elements,
kleiner Fermatscher Satz, Satz von Lagrange.
Beispiele: Zyklische Gruppen, Diedergruppen, Kleinsche Vierergruppe.
Symmetrische, alternierende Gruppen, Permutationsgruppen. Lineare Gruppen
,
,
. Geometrische Deutung der zyklischen
und der Diedergruppen als Symmetriegruppen von Polygonen.
Gruppenoperationen auf Mengen, Bahnen (=Orbiten), Standgruppen (=Isotropie-, Stabilisatorgruppen), Bahnengleichung. Links-, Rechts- und Konjugationsoperation einer Gruppe auf sich selbst. Innere und äußere Automorphismen.
Normalreihen, auflösbare Gruppen, Kommutatorgruppe.
Auflösbarbeit von
und Nichtauflösbarkeit von
für
.
Ringtheorie
Grundbegriffe: Ideale, Homomorphismen, Restklassenringe.
Homomorphie- und Isomorphiesätze. Einheitengruppe, Nullteiler,
nilpotente Elemente. (Schief)körper. Primideale, maximale Ideale.
Integritätsbereiche (=Integritätsringe), Hauptidealringe. Faktorielle
Ringe.
Arithmetik in euklidischen Ringen (besonders
,
und
):
Primelemente, Existenz und Eindeutigkeit von Primfaktorzerlegungen.
Euklidischer Algorithmus zur Bestimmung des ggT. Anwendung in
:
Partialbruchzerlegung.
Der Ring
: Rechnen mit Kongruenzen. Chinesischer Restklassensatz.
Einheitengruppe
, Eulersche
-Funktion.
Existenz von Primitivwurzeln für
.
Polynomringe: Polynomringe faktorieller Ringe sind faktoriell. Irreduzibilitätskriterien. Kreisteilungspolynome.
Konstruktion des Quotientenkörpers von Integritätsbereichen.
Körpertheorie
Grundbegriffe: Primkörper, Charakteristik,
Körpererweiterungen,
algebraische Elemente, transzendente Elemente. Grad, Gradsatz. Minimalpolynom,
charakteristisches Polynom. Zerfällungskörper. Existenz und Eindeutigkeit des
algebraischen Abschlusses (ohne Beweis).
Endliche Körper haben Primpotenzordnung. Existenz und Eindeutigkeit endlicher Körper vorgegebener Ordnung.
Polynome mit mehrfachen Nullstellen, separable Erweiterungen. Satz vom primitiven Element. Galoiserweiterungen, Galoisgruppe, Hauptsatz der Galoistheorie.
Anwendungen
Zyklische Erweiterungen. Quadratische, kubische Gleichungen.
Kreisteilungskörper. Auflösbarkeit von Polynomgleichungen vom Grad
und
Nichtauflösbarkeit von Polynomgleichungen vom Grad
.
Konstruktionen mit Zirkel und Lineal (Kreisquadratur, Winkeldreiteilung,
Würfelverdoppelung). Kreisteilungskörper für
über
.
Speziell:
-te Einheitswurzeln. Explizite Konstruktion des regulären
Fünfecks.
Erläuterungen und Literaturhinweise
Die nachstehenden Literaturverweise beziehen sich auf die Bücher:
[A] M. Artin: Algebra (Birkhäuser)
[B] Bosch: Algebra (Springer)
[E] Ebbinghaus et. al.: Zahlen (Springer)
[FS] Fischer/Sacher: Einführung in die Algebra (Teubner
Studienbücher)
Dabei werden besonders die Bücher [A], [B], [E] zur Lektüre empfohlen.
Zahlen: Das Grundverständnis der Zahlbereichserweiterungen ist
wesentlich gerade
auch für den Schulunterricht.
ist die Erweiterung eines
Halbrings zu einem Ring,
die Konstruktion des
Quotientenkörpers,
der analytische Prozess der
Vervollständigung (=Komplettierung),
eine endliche, separable
Körpererweiterung. Die Kapitel 1-3 in [E] sind ganz diesem Thema gewidmet.
Es sollte bekannt sein, was algebraische und was transzendete Zahlen sind, und
wie man zeigt, dass es transzendente Zahlen in
gibt [FS Anhang 2]. Der
einfachste Beweis geht über ein Abzählungsargument, das man in der Einleitung
zum Anhang 2 von [FS] findet. Die Transzendenz von
und
wurde von
Hermite bzw. Lindemann bewiesen. Die Beweise sind nicht ganz einfach und
gehören nicht zur Vorlesung über Algebra. Lesenswert zu
ist auch das
Kapitel [E, 5].
Gruppen: Die Gruppentheorie findet man in den einschlägigen Kapiteln von [A],[B] und [FS]. Die Abschnitte über Sylowgruppen und freie Gruppen werden ausgelassen. Dagegen sollte der folgende Hauptsatz über endliche abelsche Gruppen bekannt sein: Jede endliche abelsche Gruppe ist direktes Produkt von zyklischen Untergruppen. Der Beweis ist etwas mühsam. Er wird nicht vorausgesetzt.
Eine der wichtigsten Ideen der Gruppentheorie ist die, dass Gruppen auf Mengen operieren können und dass man aus dieser Operation Rückschlüsse über die Gruppe selbst wie auf die Menge ziehen kann. Diese Idee wird beispielsweise zu einem scharfen Werkzeug, wenn man die Gruppe auf sich operieren lässt. Dieser zentrale Gedanke und seine geometrische Deutung kommt in den Büchern von [FS] und [B] leider viel zu kurz. Die beste Darstellung findet sich in [A Kapitel 5].
Die folgenden Beispiele sollten gut bekannt sein: Die zyklischen und die
Diedergruppen und ihre Deutung als Symmetriegruppen von regulären
-Ecken.
Die symmetrischen und die alternierenden Gruppen. Schon aus der
linearen Algebra
bekannt sind die linearen Gruppen
,
,
,
.
Die Auflösbarkeit bzw. Nichtauflösbarkeit der symmetrischen
Gruppen
für
bzw.
bilden den gruppentheoretischen Unterbau für die
Auflösbarkeit bzw. Nichtauflösbarkeit von polynomialen Gleichungen vom Grad
bzw.
.
Ringe: Besonders wichtig sind der Ring der ganzen Zahlen
, der Ring der ganzen Gaußschen Zahlen
und der Polynomring
über einem Körper
. Ihnen gemeinsam ist, dass es sich um
euklidische Ringe handelt. Die folgenden Begriffe und Themen sind von
unmittelbarer Relevanz auch für die Schule und müssen gut beherrscht werden:
Der euklidischer Algorithmus, Berechnung von ggT und kgV,
Primfaktorzerlegungen, Partialbruchzerlegung. In gleicher Weise
die elementare Arithmetik in
, lineare Kongruenzen und ihre Lösung,
Chinesischer Restklassensatz. Kriterien für die
Irreduzibilität von Polynomen sind wichtig für die Anwendungen in der
Körpertheorie. Die Kreisteilungspolynome sind die irreduziblen Faktoren von
. Sie tragen ihren Namen wegen des Zusammenhangs mit dem
Problem, den Kreis in
gleiche Teile zu zerschneiden, oder anders gesagt:
ein reguläres
-Eck zu konstruieren. Aus jedem Integritätsbereich bekommt
man durch Hinzufügen von Nennern einen Körper, den Quotientenkörper. Die
wichtigsten Beispiele hierzu sind wieder die Erweiterungen
und
. Wichtig ist dabei vor allem auch das theoretische Konzept
der sauberen Konstruktion von Brüchen als Äquivalenzklassen von Paaren nach
einer gewissen Äquivalenzrelation. Diese Aspekte der Ringtheorie findet
man in jedem der genannten Algebralehrbücher.
Körper: Neben den allgemeinen Konzepten sollte eine besondere
Vertrautheit mit
den folgenden Beispielen da sein:
,
,
,
,
,
,
. Es muss klar sein, dass
algebraisch abgeschlossen ist.
Der Beweis dafür wird gewöhnlich in der Analysis oder in der
Funktionentheorie geführt und wird deshalb hier nicht erwartet. Auch für die
Existenz und Eindeutigkeit des algebraischen Abschlusses eines beliebigen
Körpers genügt die genaue Kenntnis dieser Aussage und ihre Anwendung, der
Beweis ist weniger relevant. Über endliche Körper muss bekannt sein, dass
ihre Mächtigkeit eine Primpotenz ist und warum, und dass es zu jeder
Primpotenz
bis auf Isomorphie genau einen Körper mit dieser Mächtigkeit gibt und warum.
In der Diskussion separabler Polynome bzw. separabler Körpererweiterungen sollte bekannt sein, was Separabilität bedeutet und wann Inseparabilität auftreten bzw. nicht auftreten kann. Wir beschränken uns danach auf separable Körpererweiterungen.
Der Höhepunkt der Algebravorlesung ist der Hauptsatz der Galoistheorie, der eine Brücke von der Körpertheorie zur Gruppentheorie schlägt. Wichtig sind wieder die Anwendungen der Galoistheorie auf klassische algebraische und geometrische Fragestellungen: Konstruktionen mit Zirkel und Lineal, (Nicht)auflösbarkeit von algebraischen Gleichungen. Es empfiehlt sich, durch Durchrechnen einfacher Beispiele eine gute Vertrautheit mit den Zerfällungskörpern quadratischer und kubischer Gleichungen zu erwerben.
Komplexe Zahlen, insbesondere: Polarkoordinatendarstellung,
-te Wurzeln
Die Topologie der Gaußschen Zahlenebene
Spezielle Funktionen, insbesondere: Exponentialfunktion, sin, cos, tan, sinh, cosh, Logarithmus, arctan; Beziehungen zwischen diesen Funktionen; Möbiustransformationen (= lineare Transformationen)
Holomorphe Funktionen: komplexe Differenzierbarkeit, Cauchy-Riemannsche Differentialgleichungen, Winkeltreue, konforme Abbildungen
Kurvenintegrale, Vertauschung von Limesbildung und Integration, stetige Abhängigkeit eines Kurvenintegrals von einem komplexen Parameter, Stammfunktionen, Umlaufzahl (= Windungszahl = Index) geschlossener Kurven
Cauchyscher Integralsatz und Cauchysche
Integralformel (in sternförmigen Gebieten), die Cauchysche Integralformel
für Ableitungen (für kreisförmige Integrationswege in
sternförmigen Gebieten)
mit Anwendungen; insbesondere : Satz von Liouville, sog.
Fundamentalsatz der Algebra, Existenz einer Stammfunktion, eines
Logarithmus und einer
-ten Wurzel einer holomorphen Funktion
(unter geeigneten
Voraussetzungen)
Weierstraßscher Approximationssatz, Satz von Morera, Riemannscher Hebbarkeitssatz
Entwickelbarkeit holomorpher Funktionen in
Potenzreihen mit Anwendungen; insbesondere: Identitätssatz,
holomorphe Fortsetzbarkeit
reell-analytischer Funktionen, Elementares über die
Verteilung der Nullstellen holomorpher Funktionen, Verhalten einer holomorphen
Funktion in der Nähe einer mehrfachen
-Stelle
Gebietstreue holomorpher Funktionen, Maximumprinzip
Entwickelbarkeit holomorpher Funktionen in
Laurentreihen, die verschiedenen Typen isolierter Singularitäten, Satz von
Casorati-Weierstraß, meromorphe Funktionen, Residuensatz, Formeln
zur Berechnung von
Residuen, Anwendungen des Residuensatzes auf die reelle Analysis (mindestens:
mit geeigneten
Voraussetzungen), das
Null- und Polstellen-zählende Integral, Satz von Rouché
Ganze Funktionen, ganze transzendente Funktionen, Verhalten dieser
Funktionen in der Nähe
von
Literaturvorschläge: FISCHER/LIEB: Funktionentheorie; FREITAG/BUSAM: Funktionentheorie
Elementare Topologie metrischer Räume (insbesondere des
);
insbesondere: offene, abgeschlossene, (folgen-)kompakte und
(weg-)zusammenhängende
Teilmengen, innere Punkte, Berührungspunkte, Konvergenz, Stetigkeit
Differentialrechnung in mehreren Variablen:
Kurvenintegrale (Wegunabhängigkeit), notwendige und hinreichende Kriterien für die Existenz von Potentialen zu Vekorfeldern (bzw. zu Pfaffschen Formen)
Das Lebesguesche Integral (im
):
Sog. Vektoranalysis: