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Begabt

Keine Streberin aus dem Bibelclub

Schüler an der Universität zu Köln

In Mathematik gehört Judith Fingerhuth nicht nur zu den Besten in der Jahrgangsstufe 13 auf dem erzbischöflichen katholischen St. Ursula-Gymnasium in Brühl. Die zierliche Brünette kann sich auch mit den Rechen-Assen messen, die das Abi in der Tasche haben und im ersten Semester an der Kölner Universität studieren. Denn Judith ist eine der 22 Schülerinnen und Schüler aus der Region, die zur Zeit am neuen Projekt "Schüler an der Universität" der Hochbegabten-Stiftung teilnehmen, das von der Kreissparkasse Köln und der Universität zu Köln getragen wird; dabei erhalten erstmals junge "Einsteins" die Möglichkeit, an der Hochschule ihr Wissen zu erweitern und schneller ins Studium einzusteigen.

Judith bereitet sich aufs Abitur vor und studiert schon Mathematik. Sie probt Querflöte für den Erftkreis-Wettbewerb "Jugend musiziert", lernt Klavier ("weil das zur Grundbildung dazu gehört"), liest fremdsprachige Romane gerne im Original, lernt im Informatikurs gerade die Programmiersprache Delphi – und hat trotz allem noch Zeit, etwas mit Freunden zu unternehmen: "Nachmittags habe ich ja in der Oberstufe keine Arbeitsgemeinschaften mehr – ach ja, außer der Kabarett-AG, die mach ich noch." Darf's noch etwas mehr sein? Kein Problem für Judith Fingerhuth. Hochbegabt, so würde sich die 18-Jährige selbst nicht bezeichnen. "Der Begriff ist so negativ belegt. Begabt bin ich schon. In den Naturwissenschaften, aber nicht in allen Fächern", sagt sie bescheiden. Da rechnet der sehr guten Schülerin (die aber nicht überall Eins steht) so schnell keiner etwas vor.

Quotenwitz-Ebene

Judith besucht in diesem Wintersemester die Vorlesung und Übungen in "Analysis 1" an der Hochschule, pendelt zwischen ihrem Schreibtisch in Bornheim-Walberberg, der Schule in Brühl und der Universität in Köln. Algebra, Analysis, Axiome – was für viele der Schrecken der Schulzeit ist, findet Judith schlicht "schön". Aber sie redet nicht sehr gerne darüber. Den für zwei Universitäts-Vormittage á drei Stunden ausfallenden Unterricht (Mathe, Physik, Deutsch) arbeitet die 18-Jährige ohne Klagen nach, die anstehenden Klausuren fürs Abi und die Universität vor. Ist sie nicht im Stress? "Ne! Das ist eine Herausforderung, ob ich das schaffe. Aber als ich einmal die Mathe-Übungen überhaupt nicht verstanden habe, da habe ich mich sehr geärgert und gezweifelt, ob das Fach das richtige ist." Ihre "Gefühlsschwankungen" machten ihr zu schaffen, gesteht sie. "Ich weiß nicht, ob ich da zu unfair zu mir bin und denke, dass ich alles immer können muss." Doch die Krise ist überwunden. "Das Studium ist auch für mich Arbeit. Aber ich studiere auf jeden Fall Mathe im Hauptfach, Physik im Nebenfach."

Streber, Schleimer – solche Vorurteile gegenüber "Intelligenzbolzen" sind auch der 18-Jährigen schon begegnet. Wobei sie nicht zu denen gehört, die sich ständig melden. "Unsere Clique wird von außen eher als die `Braven` oder `Bibelclub` gesehen", sagt sie mit Schweizer Akzent – ihre Mutter stammt dorther. "Aber das sind wir nicht." Sie geht da ihren eigenen Weg. Dass sie zu den wenigen Mädchen unter den vielen Jungs im Mathe- und Physik-Leistungskurs gehört, nimmt Judith kaum wahr. Nur auf der "Quotenwitz-Ebene" sei das ein Thema. Von wegen, Mädchen können nicht bis drei zählen: "Da müssen wir manchmal selbstironisch sein".

Rätsel lösen

Ihre Antriebskraft ist vor allem die Neugier, der Drang, Rätsel zu lösen, Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. "Ich möchte die Dinge richtig verstehen", erklärt die Teilnehmerin des Pilotprojekts ihren Wissensdurst. "Das ist meine Initiative. Meine Eltern haben das nie forciert", sagt die Tochter eines Bankkaufmanns und einer gelernten Krankenschwester. Wenn deren Älteste wieder eine Idee hat, etwas Neues zu lernen, "dann stehen sie immer hinter mir". Der Bruder (15), der sei "auch intelligent, aber er versteckt das gut", flachst Judith. Ihre Schwester (12) jedoch, "die ist besser als ich". Das Universitäts-Projekt ist im übrigen nicht das erste für Hochbegabte, an dem Judith Fingerhuth teilnimmt. Einmal belegte sie in den Ferien einen Kurs über Zahlentheorie und vertiefte sich bei der amerikanischen Raumfahrtorganisation Nasa an der "Space School" in ein Mars-Projekt. Ein anderes Mal wollte sie erneut naturwissenschaftliches Neuland erkunden; doch wurde sie stattdessen einem Seminar für Kreatives Schreiben zugeteilt: "Mit Gedichten hatte ich mich bis dahin nicht befasst", lacht Judith noch heute "Im Studium merke ich, dass man für Beweise auch eine Art von Kreativität braucht".

Mathematik und Schönheit

Was sie an der Mathematik so fasziniert, das kann Judith nicht so leicht auf eine einfache Formel bringen. "Das Denken in der Mathematik stimmt sehr mit meinem überein. Mathe zu können bedeutet vielleicht, auch etwas für das Denken aller Menschen herauszufinden", philosophiert die 18-Jährige. "Dazu kommt die Schönheit. Es ist zum Beispiel schön, wenn sich Sachen verknüpfen, von denen man es nicht gedacht hätte." Das schätzt sich auch an Umberto Ecos Foucaultschem Pendel, einem ihrer Lieblingsbücher: "Es stiftet erst absolute Verwirrung, die ich nicht enträtseln konnte. Ich mag auch den Witz an der Sache, das Geheimnisvolle." Rechenkünste sind dagegen weniger ihr Ding. Sie steuert nicht als Schnellste im Wurzelziehen ins Guinness-Buch der Rekorde: "Das Schnellrechnen hab ich nur mal im Kopf trainiert, als es im Unterricht zu langweilig war."

Eine Gleichung mit Unbekannten hat Judith Fingerhuth bislang noch nicht gelöst: Zwischen den mündlichen Abi-Prüfungen und den Nachprüfungen will sie mit 15 Jungs und Mädchen in Ferien fahren. "Das ist aber riskant. Irgendwer kommt bestimmt in die Nachprüfung." Außerdem sollten die Reiseziele Italien und Irland auf der Route liegen. "In nur einer Woche ist das aber nicht so der Bringer." Man kann sich ja ausrechnen, wieviel Zeit da vor Ort übrig bleibt. (Martina Windrath)

 

Judith Fingerhuth ist eine der 22 Schülerinnen und Schüler aus der Region, die zur Zeit am neuen Projekt "Schüler an der Universität" der Hochbegabten-Stiftung teilnehmen, das von der Kreissparkasse Köln und der Universität zu Köln getragen wird.

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